ZS: Mannsbilder (S. 82-91)

Dies ist Teil 14 von 61 der Serie Zwielicht am Sonnabend

(Die Reihe »Zwielicht am Sonnabend« erscheint jeden Samstag und unregelmäßig Mittwochs. Die Zeichengrenze ist aufgeoben.)

Bevor wir heute mit der Lektüre fortfahren, bringen wir es am besten gleich hinter uns. Edwards Reaktionen auf Belle:

»No«, I groaned. »Go away.«
He chuckled.
(…)
»You look awfuk«, he told me, grinning.
(…)
»So you faint at the sight of blood?«, he asked. This seemed to entertain him. (…) »And not even your own blood«, he continued, enjoying himself.
(…)
He muffled a snicker.
(…)
Edward coughed to hide another laugh.
(…)
»Can you walk, or do you want me to carry you again?« With his back to the receptionist, his expression became sarcastic.
(…)
He held the door for me, his smile polite but his eyes mocking.

Das ist wirklich ein runnig gag, wie sehr Edward sich auf Bellas Kosten amüsiert. Aber heute wollen wir doch noch etwas anderes betrachten: Stephenie Meyers Vorstellung einer perfekten Beziehung.

Die Frau in einer solchen Beziehung, hier Bella, ist offensichtlich nicht in einer Machtposition. Als Edward sie in die Krankenstation trägt, verlangt sie zweimal, dass er sie runterlässt, aber er ignoriert sie einfach. Und als Bella anschließend nach Hause will, passiert das:

Etwas zog an meiner Jacke und hielt mich zurück.
»Was glaubst du, wo du hingest?«, fragte [Edward] zornig. Er hielt eine faustvoll Jacke in seiner Hand.
Ich war verwirrt. »Ich gehe nach Hause.«
»Hast du mein Versprechen nicht gehört, dich sicher nach Hause zu bringen? Glaubst du, ich lasse dich in deinem Zustand fahren?« Seine Stimme war immer noch beleidigt.
»Welcher Zustand? Und was ist mit meinem Laster?«, beschwerte ich mich.
»Den kann Alice nach der Schule abliefern.« Er zog mich jetzt hinter sich her zu seinem Auto. Ich konnte nur verhindern, nicht hinterrücks umzufallen. Er würde mich wahrscheinlich trotzdem weiter zerren, wenn ich fiele.
»Lass mich los!«, verlangte ich. Er ignorierte mich.
(…)
»Du bist so aggressiv«, grummelte ich.
»Es ist offen«, war alles was er sagte.
»Ich bin hervorragend in der Lage, selbst nach Hause zu fahren!«
(…)
Er senkte das Fenster und lehnte sich über den Sitz zu mir. »Steig ein, Bella.«
(…)
»Ich zerre dich nur wieder zurück«, drohte er.

Edward weiß es eben besser. Und kein Wunder, ist er doch hundert Jahre alt, wenn auch im Körper eines Siebzehnjährigen. Übrigens bezieht sich dieser Austausch darauf, dass Bella vortäuscht, es ginge ihr noch schlecht, damit sie die Sportstunde schwänzen kann. Sie wäre also wohl wirklich in der Lage, selbst nach Hause zu fahren.

Mit Edward Cullen aber schafft Stephenie Meyer das perfekte Konstrukt des kontrollierenden Patriarchen, denn durch sein Alter und seine Fähigkeiten ist er eben Bella wirklich überlegen. Sie kann nicht vor ihm davon laufen oder sich aus seinem Griff winden. Er ist in jeder Beziehung besser als sie – er ist perfekt. Natürlich haben wir immer noch keine wirkliche Beschreibung seiner selbst gelesen (außer seinem Haar).

Auch sein Alter ist kein Problem. Wie auch die ständigen Referenzen zu Bellas Laster zeigen, der zwar alt ist, aber robust, nicht unterzukriegen, und der vielleicht viel Sprit frisst, aber ansonsten höchstens dem Volvo der Cullens unterlegen ist: Alte Sachen sind gut. Eine Frau sollte ruhig einen älteren Mann haben, denn der hat dann auch die nötige Erfahrung und das nötige Wissen, um eben der Pater Familias sein zu können und sie spirituelle wie weltliche Erziehung von Frau und Kindern zu übernehmen.

Denn Frauen wissen es einfach nicht besser. Sie wollen selbst in die Krankenstation laufen oder nach Hause fahren, wenn der Mann doch viel eher weiß, was ihnen zusteht. Und die gleichaltrigen Jugendlichen aus der Schule eignen sich für Mädchen nicht als Verehrer, denn sie sind ja selbst kaum in der Lage, sich zu bändigen, und was da passiert, das weiß man ja: Sex.

Diese Sicht auf das Alter zeigt sich auch, als Edward Bella dann endlich in seinem Volvo hat. Denn natürlich hört er Debussy – Clair de Lune – und Bella erkennt die Musik. Undenkbar, dass Edward (oder Bella) entweder moderne Musik hörten oder vielleicht Musik, die zu Edwards Jugendzeit populär war. Jugendkultur ist eben ohnehin schmutzig – und sündig –, und in der saubersten Stadt der Welt, wo jeder an der Schule freundlich ist und niemand Joints raucht oder gar Rockmusik hört, ist Clair de Lune selbstverständlich.

Die Kenntnis dieser Musik veranlasst Edward dann dazu, Bella nach ihrem Alter zu fragen: »Du wirkst nicht wie siebzehn.« Die Kenntnis der Musik und die Art und Weise, wie sie über ihre Mutter spricht:

Sie sieht mir sehr ähnlich, ist aber viel hübscher. Sie ist offener als ich, und mutiger. (…) Sie ist mein bester Freund.

Da schmelzen die Mutterherzen derer, die dieses Buch mit ihren Töchtern lesen… und die Töchter rollen (hoffentlich) mit den Augen. Edward jedenfalls wundert sich über Bellas Alter – er klingt (natürlich) vorwurfsvoll, dass sie so eine Alte Seele hat. Sie entgegnet, auch er wirke nicht wie ein Schuljunge.

Was er ja auch nicht ist. Er ist ein hundert Jahre alter Vampir, der immer noch in die Schule geht. Warum? Diese Frage sollten wir im Hinterkopf behalten, denn die Antwort darauf ist sinnlos… aber Gegenstand eines späteren Beitrags.

Für heute merken wir uns, dass alte Männer, alte Autos und alte Musik genau das richtige für die gewöhnliche Siebzehnjährige sind, die nicht weiß, was gut für sie ist, und das Stephenie Meyer mit jeder weiteren Seite ihres Buches daran arbeitet, eine der gruseligsten Beziehungen zu beschreiben, die jemals romantisiert wurden.

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