Dollhouse

THR berichtet1, dass Fox die neue Serie von Joss Whedon, Dollhouse verlängert hat, also eine zweite Staffel in Auftrag gibt. Zwar hatte ich eher damit gerechnet, dass dies nicht geschehen würde, trotzdem möchte ich hier kurz über die erste Staffel dieser Serie schreiben.

Warum ich sie gut finde, und warum ich sie trotzdem nicht gut finde.

Das Konzept der Serie sieht so aus: eine geheimnisvolle Organisation leitet das Dollhouse, das Puppenhaus, und sie bieten (jungen, gutaussehenden) Menschen an, sich für fünf Jahre der Organisation zu verschreiben. Während dieser Zeit verdienen sie viel Geld, und sie verlieren ihre komplette Erinnerung: sie werden »Puppen«. Diese Puppen können nun von reichen und privilegierten Personen gemietet werden – mittels Computertechnik wird die jeweils gewünschte Persönlichkeit auf die Puppen übertragen, und so sind sie je nach Wunsch Bodyguard, Hebamme, Sozialarbeiter_in, ein sexuelles Abenteuer oder sogar die wahre Liebe.

In diesem Puppenhaus nun ist Echo (Eliza Dushku), und im Laufe der Serie deutet sich mehr und mehr an, dass die Prozedur der Persönlichkeitsprägung nicht so vollständig ist, wie man vielleicht meint. Echo erinnert sich an manche Dinge. Gleichzeitig versucht FBI-Agent Paul Ballard (Tamoh Penikett) von außen, das Haus zu finden und Caroline – Echos wahrer Name – zu befreien.

So weit die Grundzüge. Die erste Staffel von Dollhouse ist 13 Episoden lang. Vor allem die ersten fünf Folgen sind qualitativ stark schwankend; zwar ist die zweite Folge spannend, aber die anderen vier reichen von »na ja« bis »total überflüssig«. Mit der sechsten Folge dann verwandelt sich die Show, die bis dahin einzelne Geschichten erzählte, in eine Serie mit umspannenden Serienplot – und plötzlich klickt es. In der Konzentration auf die Organisation des Puppenhauses selbst und in dem Maße, wo die Nebenfiguren mehr Raum einnehmen können, beginnt die Serie zu atmen und richtig Spaß zu machen.

Eliza Dushku ist dabei kein Erfolgsgarant; oft vermisst man an ihr die Glaubwürdigkeit in ihren jeweiligen Persönlichkeiten. Aber die restliche Besetzung macht das wieder wett; Harry Lennix als Echos Beschützer bringt dringend nötige Menschlichkeit in die Organisation, Dichen Lachmann (»Sierra«) kommt in ihren diversen Rollen viel natürlicher rüber als Dushku, und Enver Gjokai hat es verdient, durch diese Serie berühmt zu werden. Aber auch abgesehen von diesen dreien ist Dushku schauspielerisch vielleicht sogar das schwächste Glied der Truppe.

Joss Whedon kann gute Geschichten erzählen, und dramatische Charakterkonflikte entwerfen. Hier hat Dollhouse natürlich das Problem, dass die zentrale Figur keinen Charakter hat, aber ansonsten gelingt ihm das im Laufe der ersten Staffel immer besser.

Leider kann Whedon nicht so gut mit Konzeptionen umgehen. Die Umstände und die Umwelt sind für ihn meistens nur Mittel, um die Geschichte zu erzählen, und er fragt sich nicht, wie denn eine Welt voller Monster wirklich aussähe, oder wie die chinesisch-amerikanische Föderation funktioniert.

Das ist ein Problem, wenn die Umwelt problematisch ist. Und im Falle von Dollhouse stellt diese Umwelt ein System dar, dass letzten Endes nichts anderes ist als Prositution und organisierte Vergewaltigung. Es gibt ein paar schwache Gegenstimmen in der Serie, aber wenn man mit den Figuren des Puppenhauses leiden soll, dann darf man sie nicht gleichzeitig in den Knast wünschen. Und bei allen guten Folgen bleibt am Ende eben doch der schlechte Nachgeschmack, dass das Dollhouse eben so nicht in Ordnung ist.

Dollhouse braucht Folgen, in denen das Konzept verteidigt wird. In denen argumentiert wird, warum es okay ist. Bislang hat Whedon sehr geschickt beide Seiten mal zu Wort kommen lassen, aber die Seite, die für das Puppenhaus spricht, muss wesentlich bessere Argumente bringen. Ich fürchte nur, dass das nicht passieren wird. Ich fürchte, Joss Whedon wird immer mal einen Nicker in die Richtung machen, und mehr nicht. »Ja, ich weiß, aber jetzt lass mich die Geschichte erzählen.«

Das ist okay, wenn die Folgen diffus oder indirekt sind. Wenn aber unsere »Helden« je nach Sichtweise Tag für Tag vergewaltigt werden (oder die Vergewaltigung orchestrieren) – dann reicht es nicht.

Ich hoffe auf die zweite Staffel, aber ich fürchte, Dollhouse wird sein Konzept nicht überkommen können. Zumindest nicht für mich.

  1. via whedonesque []

Comments 2

  1. avatar Gwen wrote:

    Die erste Staffel von Dollhouse ist 13 Episoden lang.
    Nur der Vollständigkeitshalber: Es gibt noch eine ungesendete Pilotfolge, in der Echo Ballard anschießt.

    Posted 31 Mar 2011 at 13:47
  2. avatar Patrick wrote:

    Ja, aber die ist ja auch mit einigen Versatzstücken späterer Folgen – mit dem Piloten wäre das alles wohl etwas schneller in den Metaplot gegangen.

    Trotzdem danke für die Korrektur

    Posted 31 Mar 2011 at 15:40

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *