ZS: Weibsilder (S. 27-34)

Dies ist Teil 6 von 61 der Serie Zwielicht am Sonnabend

(in dieser Reihe gibt es keine Wortgrenze)
Erst Mal möchte ich mich für die Mails bedanken, die ich bezüglich dieser Reihe hier erhalten habe. Ihr könnt natürlich, statt zu mailen, auch kommentieren, aber seis drum. Ein Schreiber wies mich daraufhin, dass Stephenie Meyer Mormonin ist. Das wusste ich zwar auch vorher, ist aber bislang nicht besonders eingeflossen.

Ich bin nämlich leider kein Mormone.

Das soll heißen, dass ich mich mit dem mormonischen Glauben nicht so gut auskenne, dass ich Nuancen dessen in den Büchern wiedererkenne. Was ich aber wiedererkenne, sind Rollenvorstellungen. Heute möchte ich näher beleuchten, wie Bella als vorbildliche Vertreterin ihres Geschlechts die Rollenvorstellungen zumindest von Stephenie Meyer wiedergibt, im weiteren Sinne auch jene konservativer Religionen (inkl. Mormonen).

Zunächst einmal möchte ich zeigen, wie Stephenie Meyer ihre Heldin zu idealisieren glaubt, ohne das wirklich zu tun. Denn als Bella auf dem Schulparkplatz die Cullens (ohne Edward) sieht, bemerkt sie wieder einmal deren gutes Aussehen und ihre geschmackvolle Kleidung.

Es schien exzessiv, dass sie neben ihrem Aussehen auch noch Geld haben sollten. Aber so weit ich es sagen konnte, war das Leben meistens so. Es sah so aus, als hätte das ihnen hier Akzeptanz gebracht.

Nein, ich glaubte das nicht wirklich. Die Isolation musste ihr eigener Wunsch sein; ich konnte mir keine Tür vorstellen, die sich nicht durch dieses Maß an Schönheit öffnen würde.

Hier wird die Ungerechtigkeit des Lebens bemängelt, das einerseits Schönheit und Geld zusammenbringt und andererseits allein aufgrund des Aussehens alle Türen öffnet. Das Leben, so scheint es, ist eben hart und ungerecht.

Man sollte jetzt erwarten, dass die Hauptfigur sich bei einem solchen Bemerkung bemüht, eben nicht diesen Mustern zu entsprechen. Wahrscheinlich glaubt auch Stephenie Meyer, dass Bella bzw. Edward so anders sind, und dass sie eine tiefgründige Beziehung in einer oberflächlichen Welt beginnen.

Das ist leider Quatsch. Denn Bella verliebt sich nur aus einem Grund in Edward: sein Aussehen. Ohne etwas über ihn zu wissen, wird sie ihm verfallen. Auch sonst bemerkt sie allenfalls Aktionen oder das Aussehen ihrer Mitmenschen, nicht aber deren Eigenschaften. Sie ist oberflächlich.

Edward auf der anderen Seite verliebt sich in Bella, weil sie so verführerisch riecht. Kein anderer Grund, auch wenn sicher nicht schadet, dass sie sehr hübsch ist (sie hat neben Edward im Laufe des Buches vier weitere Verehrer). Also ist ihre Liebe – so wie Romeo und Julia – allein auf dem Äußeren aufgebaut. Was für die tragische Geschichte einer ersten Liebe in Ordnung ist, die romantische Verklärung von Liebe allerdings schwieriger macht.

Nun aber zu Bella selbst. Bella hat nämlich Pflichten in ihrem neuen Zuhause übernommen.

Ich verlangte, Küchendienst zu bekommen.
(…)
Zu Hause kaufte ich immer ein, und ich verfiel gerne in das gewohnte Muster.
(…)
[Mein Vater] schien sich komisch zu fühlen, weil er tatenlos in der Küche stand; er wanderte ins Wohnzimmer, um Fernsehen zu gucken, während ich arbeitete. Das war uns beiden lieber. Ich machte den Salat, während die Steaks kochten, und deckte den Tisch.
(…)
Er räumte den Tisch auf, während ich mit dem Geschirr begann. Er sah wieder fern, und nachdem ich das Geschirr von Hand gewaschen hatte – kein Geschirrspüler – ging ich missmutig nach oben, um meine Mathehausaufgaben zu machen.
(…)
Ich putzte das Haus, arbeitete Hausaufgaben vor, und schrieb meiner Mutter mehr fälschlich fröhliche E-Mails.

Bella kauft ein, kocht – natürlich kein komisches Essen, sondern schön männliche Steaks und Salat, wie es dem Hausherrn gefällt –, sie deckt den Tisch und spült, während der Mann vorm Fernseher hockt. Das gefällt ihr so, und sie spült auch gerne von Hand, weil sie eine fleißige potentielle Ehefrau ist. Am Wochenende putzt sie das Haus. Nur, danach die Matheaufgaben zu machen, das tut sie »unwillingly«.

Ihre Mutter übrigens, die nicht nur wild durchs Land reist mit ihrem Baseballspieler, vergisst sogar, wo sie ihre Kleidungsstücke hat, und Bella kann ihr per E-Mail sagen, wo Mutter die Bluse hat, die sie suchte. Der Kontrast ist klar: Bellas Mutter, die auch komische Sachen kochte, ist eine schlechte Hausfrau und hat darum auch nicht den Sheriff zum Mann bekommen, während Bella einen guten Mann bekommen wird, den sie dann fröhlich bekocht und beputzt. Wie es sich für eine Frau gehört.

Ansonsten sind Frauen zu wenig zu gebrauchen. Charlie – Bellas Vater – erzählt lachend, dass die Krankenschwestern in dem Krankenhaus, in dem Dr. Cullen – der pater familias – arbeitet, sich kaum auf die Arbeit konzentrieren können, weil der so gut aussieht. Tatsächlich scheinen aber nur Frauen so zu reagieren. Es kommt nicht vor, dass Männer oder Jungs von den weiblichen Vampiren auch nur ansatzweise so abgelenkt werden. Frauen sind eben das schwache Geschlecht, und bei der Arbeit sind selbst Krankenschwestern nicht darauf konzentriert, Leben zu retten, sondern welcher gutaussehende Arzt denn noch unverheiratet ist. Dr. Cullen hat ja zum Glück eine Frau, wie Charlie sagt. Sonst ginge wohl gar nichts, wenn östrogengetränkte Bindungssüchtige sich einen Doktor angeln wollen.

Am Ende erlebt Bella zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee und hasst es, und Eric wirft neidisch einen Schneeball auf Nebenbuhler und hündischen Freund (»my retriever friend«) Mike. Als Bella aber in die Cafeteria kommt, sitzen fünf Leute am Tisch der Cullens.

Edward ist zurück.

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