(Die Reihe “Zwielicht am Sonnabend” erscheint jeden Samstag und unregelmäßig Mittwochs. Die Wortgrenze von 500 Wörtern ist hier aufgehoben.)
Gerade haben wir im dritten Kapitel unsere erste wirkliche Handlung erleben dürfen: Bella wurde fast überfahren, Edward rettete sie mit übernatürlicher Geschwindigkeit und Stärke. Das Rästel um diese Fähigkeiten ist spannend: wie wird Bella sein Geheimnis enthüllen? Was stellt sie an, um es zu lüften? Die nächsten Tage werden sehr interessant.
Der Monat, der dem Überfall folgte, war unruhig, gespannt und, zu Beginn, peinlich.
Seufz.
Während wir diesen Monat also nur stückhaft beschrieben bekommen, zeigt sich etwas anderes. Edward Cullen mag ja ein Arsch sein, aber trotzdem passt er gut zu Bella. Die ist nämlich auch ein furchtbarer Mensch.
Bella ist eine Frau, die sich selbst ständig schlecht macht (das hatten wir schon) und gute Dinge, die ihr passieren, ablehnt oder ebenfalls negativ bewertet. Sie bringt sich selbst freiwillig in Situationen, in denen es ihr schlecht geht. Alles, um dann darüber frotzeln oder sich beschweren zu können, wie schlecht es ihr doch geht. Das allein ist pathologisch, aber noch eher bedauernswert als zu verdammen.
Gleichzeitig aber ist Bella extrem schnell mit Urteilen bei der Hand, sie heuchelt Freundschaft, wo sie Desinteresse verspürt, und natürlich unternimmt sie nichts, um ihr vorgeblich negative Situationen zu beenden. All das sehen wir heute – und nächste Woche.
Widerwillig erhält Bella nach dem Unfall die Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler, etwas, das sie wirklich nicht zu mögen vorgibt. Der Fahrer des Unglückswagens, Tyler, wird als »unmöglich« beschrieben, weil er seine Tat irgendwie wieder gut machen wolle. Mike und Eric behandeln ihn auch unfreundlich, und Bella hat tatsächlich ihren dritten »unwillkommenen Fan« gewonnen – obwohl sie doch nur Augen für Edward hat. Der aber behandelt sie wieder ablehnend, und da bleibt natürlich nur ein Schluss übrig:
Er wünschte sich, er hätte mich nicht vor Tyler’s Van gerettet – es gab keine andere Lösung, die mir einfiel.
Was auch logisch ist. Mit jemandem nicht zu reden oder ihn unhöflich zu behandeln ist das selbe, wie seinen Tod zu wünschen. Aber das glaubt Bella, und das verrät mehr über sie selbst als über Edward. Entweder zollt man ihr (unwillkommene) Aufmerksamkeit, oder man will, dass sie stirbt. Trotzdem weicht Bellas Ärger auf Edward einer »bewundernden Dankbarkeit«. Wie man eben so über Leute denkt, die sich wünschen, man wäre tot.
Mike wiederum wird selbstbewusster, weil es zwischen Bella und Edward nicht mehr rund läuft. Er verfolgt Bella geradezu, die das furchtbar findet, aber sagen… nein, sagen tut sie das nicht. Überhaupt, mit der Ehrlichkeit…
Da steht nämlich der Frühlingstanz vor der Tür, und da dürfen die Mädchen die Jungs fragen, ob sie zusammen hingehen sollen. Jessica möchte gerne Mike fragen, hat aber Angst, dass Bella was dagegen haben könnte. Das Gespräch geht so:
»Bist du sicher, dass es dir nichts ausmacht… du wolltest ihn nicht fragen?«, fragte sie nach, als ich ihr sagte, dass es mir egal sei.
»Nein, Jess, ich gehe nicht hin«, versicherte ich ihr. Tanzen war weit außerhalb meiner Fähigkeiten.
»Das wird richtig lustig.« Ihr Versuch, mich zu überzeugen, war halbherzig. Ich vermutete, dass Jessica meine unerklärliche Popularität mehr genoss als meine eigentliche Anwesenheit.
Bella hat also die Chance, zumindest Jessica darüber aufzuklären, dass Mikes hündische Art ihr auf den Keks geht. Tut sie aber nicht, sondern sie geht nur einfach nicht zum Tanz, und lässt damit offen, dass sie, ginge sie zum Tanz, wohl Mike doch fragen würde. Aber weil sie ja nicht geht, darf Jessica großherzigerweise den Ersatz spielen.
Damit nicht genug, nimmt sie die Halbherzigkeit, die Jessica daraufhin zeigt, nicht als Zeichen dafür, dass Jessica vielleicht gerne mit Mike gehen würde, sondern dafür, dass Jessica sich nur wegen Bellas Popularität mit ihr trifft. Das ist kein sehr nettes Urteil über eine (angebliche) Freundin. Das wird noch untermauert, denn Jessica sieht in der nächsten Pause niedergeschlagen aus, und Bella fragt nicht nach, warum: Sie hat Angst, dass Mike nein gesagt haben könnte. Ihrer Freundin geht es also nicht gut, und Bella fragt nicht nach, weil das für sie selbst vielleicht unangenehm werden könnte.
Aber sie spricht mit Mike. Der hat Jessica gesagt, er brauche Bedenkzeit. Und so reagiert Mütterchen Bella:
»Warum würdest du sowas tun?« Ich ließ Ablehnung in meine Stimme fließen, obwohl ich froh war, dass er nicht endgültig nein gesagt hatte.
Bella stellt eine offensichtliche Frage, ohne erkennen zu lassen, dass sie die Antwort kennen müsste, in einem Ton, der Ablehnung für diese Handlung erkennen lässt – sie urteilt über Mike (wie über alle anderen) – und freut sich gleichzeitig, dass Mike die Möglichkeit offen gelassen hat, ersatzweise auf Jessica zurückzugreifen. Nicht, dass es da irgendetwas mit Zuneigung oder so zu tun haben könnte…
Mike jedenfalls hoffte, dass Bella ihn einladen würde. Sie sagt ihm, er solle mit Jessica gehen. Mike will daraufhin wissen, ob sie jemand anderen gefragt habe. Hier haben wir wieder eine Gelegenheit, in der Bella Mike nett von der Leine lassen könnte. ›Nein, Mike, ich finde nur, du und Jessica wärt ein schönes Paar.‹ Aber dann besteht ja die Gefahr, dass Mike nicht mehr so unangenehm um sie herumscharwenzelte.
Also sagt sie, sie ginge nicht zum Tanz, und also solle Mike Jessica nicht länger warten lassen – das sei unhöflich.
Bella hat wirklich die beste beider Welten. Sie kann sich in Aufmerksamkeit sonnen und sich gleichzeitig darüber beklagen. Sie umgibt sich mit Leuten und kann sie gleichzeitig verurteilen und belehren. Und diesen Status versucht sie, zu erhalten. Da ist es wenig verwunderlich, wenn sich mein Mitleid in Grenzen hält, als sie nun doch wieder mit Edward spricht – der hat das Gespräch mit Mike mit angehört, und er sie wieder beinahe auslacht.
»Was? Sprichst du wieder mit mir?«, fragte ich schließlich mit ungewollt gereiztem Ton.
Seine Lippen zuckten, kämpften gegen ein Lächeln an.
Edward sagt ihr, es sei besser, wenn sie keinen Kontakt mehr hätten, und Bella verblüfft ihn mit ihrer selbsthasserischen Idee, er wünschte ihren Tod. Edward ist fassungslos, und der Ton zwischen den beiden kühlt sich kurz ab. Bella dreht sich um und stapft zum Sport.
Zwischenstand: Ein Verehrer verkuppelt, zwei noch offen.

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