Traust du der Polizei?

Wer die obige Frage mit “ja” beantwortet, macht einen Fehler. Damit ist nicht gesagt, dass Polizisten immer Schläger sind. Es gibt sehr gute Polizisten – aber eben auch das genaue Gegenteil, Leute, die sich von der Macht und Autorität blenden lassen, und Polizisten werden seltener zur Rechenschaft gezogen.

Gerne auch gegen Linke Gruppen.

Natürlich ist es bei uns nicht so schlimm wie in den USA – die Lektüre des Agitators liefert da horrende Beispiele, wie Polizisten und andere Sicherheitskräfte sich – gerne im Namen des Kriegs gegen Drogen – verhalten.

Aber wie die Demonstranten von Heiligendamm bezeugen können, gibt es auch bei uns im Vorfeld Einschüchterungsversuche wie Hausdurchsuchungen, Einreiseverbote und ähnliches, und unter den Protestlern dann gezielte Anstifter, um eine Entschuldigung zu liefern, oder einseitige Berichte über angebliche Taten und Opfer.

Bereits vor dem Gipfeltreffen in London wurden die Demonstranten als “Aufrührer” (rioters) beschrieben, und jetzt ist ein Video aufgetaucht, dass einen Übergriff seitens der Staatsmacht zeigt. Im Climate Camp saßen und standen Protestler herum, bis plötzlich Hunderstschaften in Sondereinsatzmontur auftauchten. Die Leute stellten sich daraufhin auf, erhoben die Hände über den Kopf und skandierten: “This is not a riot” (Dies ist kein Aufstand). Ohne groß Anstalten zu machen, irgendwelche Forderungen durchzugeben, drängten die Polizisten weiter vor und schlugen auch mit Schlagstöcken und Schilden zu.

Nun ist England ohnehin mehr und mehr ein “scary place”, in dem 1984 anscheinend nie veröffentlicht wurde, aber diese Vorfälle sind eben nicht so besonders, dass sie isoliert betrachtet werden könnten. Schon gar nicht, weil die Massenmedien i.d.R. auf die Berichterstattung der staatlichen Stellen setzen und solche Vorgehensweisen nicht hinterfragen. Da wurden Protestler eben des Feldes verwiesen, einen Aufschrei gibt es in der Regel nicht, und Folgen auch nicht – denn es ist ja gewollt, dass so etwas passiert.

Wie gesagt, der normale Bulle von Nebenan ist nicht unbedingt jemand, der seine Macht missbraucht, der dir das Leben zur Hölle machen kann und würde, der insgeheim rassistische oder sonstwie untragbare Ideen hat oder der einfach nur gerne mal etwas fester zupackt oder Geld beschlagnahmt, und seine Freundin ins Kino einzuladen. Aber er könnte es sein.

Also nicht blind vertrauen. Folge leisten, aber auch hinterfragen. Und ein wenig Skepsis bewahren.

Comments 1

  1. avatar Levold wrote:

    Dafür musst du gar nicht nach England. In Dortmund bin ich aufgrund fadenscheinigster Gründe für mehrere Stunden in Arrest gekommen und musste mich von Bullen (anders kann man sie nicht nennen!) bedrohen lassen. Und ja: ich war die ganze Zeit friedlich. Und mir fällt nur der alte Demo-Spruch ein : BRD Bullenstaat – wir haben dich zum kotzen satt!

    Posted 30 Apr 2009 at 21:59

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