An diesem Wochenende wurde ja der Höhepunkt der Jesus-Geschichte gefeiert, nämlich dessen Tod und Wiederauferstehung »am dritten Tage«. Natürlich habe ich meine eigene Meinung zu diesem sog. Feiertag, aber vorher dachte ich, gehen wir für alle gemeinsam noch mal durch, was da eigentlich passiert ist.
Das hat allerdings nichts mit Ostereiern zu tun…
Jesus muss also am Kreuz für unsere Sünden sterben. Markus, das älteste Evangelium und mindestens 37 Jahre nach Jesus’ Tod entstanden (wenn das denn alles überhaupt stimmt), schreibt:
Und in der neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eloî, Eloî, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
(…)
Jesus aber schrie laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.
Das ist eine sehr eindrucksvolle Stelle, weil Jesus darin Menschlichkeit zeigt: ist er doch Gott(es Sohn), so verzweifelt er dennoch kurz vor dem Tod. Ähnlich sagt es ja auch Matthäus, eines der beiden Evangelien, die Markus als Quelle nutzten und etwa 30 Jahre später geschrieben wurden:
Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
(…)
Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte, und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich, und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!
Das ist sozusagen die Michael-Bay-Variante: mehr Leute, Erdbeben, Zombies… von den Zombies hört man selten was in der Kirche. Hm. Zur selben Zeit wie Matthäus entstand auch Lukas.
Die Sonne verdunkelte sich, der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei, und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.
Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch.
Keine Auslassung hier, denn Jesus bekommt hier nichts zu trinken. Noch klagt er Gott an, sondern bleibt ruhig und zuversichtlich im Angesicht des Todes. Auch schön, aber irgendwie… anders, oder? Dafür wird vom Hauptmann jetzt Gott gepriesen. Und bei Johannes?
Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erüllte: Mich dürstet. (…) Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.
Na ja, Johannes ist ja auch eigen. Hier ist Jesus eher der nüchterne Prophezeihungs-Erfüller. Jedenfalls starb er am Kreuz, und stand dann nicht mal zwei Tage später von den Toten auf (freitag abends gestorben, sonntag morgens war das Grab leer).
Je nachdem, bei wem man liest, sieht das auch wieder anders aus. Markus:
{Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome} sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes webwälzen? Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß.
Die Frauen treffen nun einen weißgekleideten Mann, der ihnen befiehlt, den Jüngern von Jesu’ Auferstehung zu berichten. Die Frauen aber »flohen; denn Schrecken hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon; denn sie füchteten sich.« Allerdings erscheint Jesus den Frauen dann einzeln, und daraufhin berichten sie. Michael Bay bzw. Matthäus bringt action in die Szene:
Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn stieg vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Stirn leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee.
Hier eilen die Frauen »voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden«, und auf dem Weg kommt ihnen auch noch Jesus entgegen.
Bei Lukas sind es zwei Männer in leuchtenden Gewändern im Grab und erinnert die Frauen daran, dass Jesus von seiner Auferstehung gesprochen hat. Sie erzählen es den Jüngern, und daraufhin geht Petrus zum Grab und sieht die Binden.
Bei Johannes wiederum begegnen die Frauen keinem Engel, sondern holen gleich Petrus und einen weiteren Jünger, und sie finden die Binden, wussten aber »noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste«.
Das alles ist recht interessant und zeigt die Unterschiede der Evangelien beispielhaft auf. Festzuhalten ist höchstens: Jesus stirbt am Kreuz und ersteht auf.
Die Crux an der Sache ist aber, dass diese Tat überflüssig und unverschämt war. Warum soll man das feiern?
Erstens fragt niemand, ob man seine Sünden denn vergeben haben will. Es wird einfach gemacht. Das kann Gott aber nicht einfach so, auch wenn er das will, sondern er muss erst dafür sorgen, dass sein Sohn gefoltert und getötet wird. Jesus wiederum muss ein wenig Folter ertragen, um dann in den Himmel an die Seite Gottes zu kommen, was wieder vergleichsweise erträglich ist. Diejenigen, die für Jesu’ Hinrichtung sorgten, werden verabscheut, auch wenn sie den göttlichen Plan erfüllten. Und wer Jesus nicht will, kommt dann halt auf ewig in die Hölle – nicht nur ein paar Tage ans Kreuz.
Na danke. Das ist die Aktion eines manipulativen Gottes. Er schickt seinen »Sohn« (wie immer das theologisch ausgelegt wird), um am Kreuz zu sterben, damit er nicht nur die Sünden vergeben kann, sondern dadurch bis in alle Ewigkeit Tribut verlangen kann.
Wenn ein Sklavenhalter sich selbst zehn Peitschenschläge gibt und danach seine Sklaven nicht mehr peitscht, ist das gepeitscht werden keine besonders tolle Tat, geschweige denn eine, die noch Jahrhunderte später mit Lobpreisungen vergolten werden sollte, weil die Nachfahren der Sklaven ebenfalls nicht gepeitscht werden.
Ich glaube nicht an Gott. Aber wenn, sind es genau solche Kapriolen, die mir den Christengott unsympatisch machen. Ich denke an Ostern an den Osterhasen. Fertig.

Comments 3
Mir scheint du hast dich verquotet (an der Verschachtelung stimmt was nicht)
Posted 15 Apr 2009 at 4:47 am ¶Verquotet? Ich?
Danke!
Posted 15 Apr 2009 at 10:34 am ¶Es gibt viel geistesschwachen Glauben an einen Gott und viel geistesschwaches Bekenntnis zu einer Erlösung durch Kreuz und Auferstehung Jesu, aber ebenso grottendoofes und blasiertes Nicht-glauben an das eine oder/und das andere.
Hier halt mal ein Beispiel für letzteres.
neverever
Posted 21 Nov 2009 at 11:57 am ¶Post a Comment