Eins vorweg: Das Finanzsystem ist kaputt. Es funktioniert nicht, wie es soll, und es muss geändert werden. Ich glaube nicht an den freien Willen; jede Tat hat ihre Ursachen, egal wie komplex, in der Vergangenheit und in der Umwelt. Wie kaputt und korrupt das Finanzsystem ist, sehen wir gerade eindrücklich am Verhalten derjenigen, die Staatshilfen bekommen haben, um sich über Wasser zu halten.
Allen voran die Schweine von AIG.
Folgendes ist festzuhalten: In der Folge der Finanzkrise sind Banken, Versicherungen, Finanzunternehmen ganz knapp am Kollaps vorbeigeschrammt. Das hatte Auswirkungen auch auf Unternehmen und Personen, die mit diesen Branchen nichts zu tun hatten. Die erstgenannten (und einige andere) haben Staatshilfen erhalten, um durchzuhalten und wieder auf die Beine zu kommen. Diese Staatshilfen wurden dafür genutzt, Konkurrenten zu kaufen oder noch viel beliebter Bonuszahlungen an die Führungsetage auszuzahlen. Die Postbank zum Beispiel war trotz 800 Millionen Euro Verlust mit 11,5 Millionen Euro Prämienzahlung dabei.
Das geht nicht.
Darüber gibt es keine Diskussionen. Jede noch so kleine Schwäche im Umsatz, und sei es nur ein kleinerer Gewinn, wird zu Lasten der normalen Arbeitnehmer ausgelegt, aber ein Verlust, der es erfordert, Unternehmen praktisch zu verstaatlichen oder sonstwie Millionen- und Milliardengelder zu bekommen, führt zu Prämienzahlungen? Nein.
Diese Leute geben sich das Geld aber, weil das System es ermöglicht, geradezu gebietet. Sie finden auch nichts falsch daran. Den absoluten Tiefpunkt hat jetzt AIG erreicht.
Wer es nicht weiß: AIG hat die verdammte Finanzkrise mit verschuldet. AIG ist im Zentrum des ganzen Bockmistes, der im Herbst letzten Jahres begann und vielleicht mit Ende diesen Jahres vorbei ist – vielleicht! Dank Konjunkturverschiebungen (Autoprämie) und einer Riesenbatzenmenge anderer Zahlungen. AIG ist der Haufen, der zuerst zu stinken begonnen hat. AIG hat bereits 150 Milliarden (!) Dollar Hilfe bekommen und wird trotzdem noch Milliardenverluste machen.
Diese Drecksäcke haben daraufhin zuerst 121 Millionen Dollar an die Führungsetage ausgezahlt und werden jetzt noch einmal 163 Millionen Dollar in Prämienzahlungen an 400 Mitarbeiter in der verdammten Finanzabteilung, von 3000 Dollar bis zu 6,5 Millionen je nach Position.
Diese Schweineficker machen Verluste in der Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar und lösen die größte Finanzkrise seit 1929 aus (darüber werden sich Historiker womöglich noch streiten) und erhalten Millionenprämien!
Wir können nicht die besten und klügsten Köpfe an uns binden, wenn Mitarbeiter glauben, dass ihre Bezahlung dauerhafter und willkürlicher Anpassung durch das Finanzamt unterliegt.
Erstens: Ihr habt nicht die besten und klügsten Köpfe, ihr habt die verfickten Auslöser der Krise. Während pleitegegangene Hausbesitzer sich als Verlierer beschimpfen lassen müssen, stopft ihr diesen Säcken noch mehr Geld in den gierigen Rachen.
Zweitens: Prämien sind, wenn schon, an Ergebnisse gebunden. Wenn man Milliarden Dollar Verlust macht, ist es verdammt noch mal nicht willkürlich, keine Prämie zu kriegen.
Drittens: nur so aus Interesse, wisst ihr, warum es so hohe Prämien gibt? Weil die nicht als Gehalt zählen und daher nicht so hoch besteuert sind. Jawohl, aus Steuergründen kriegen diese Leute nur Gehälter von einer halben bis knapp unter zwei Millionen und den Rest als “Prämie”. Darum ist das auch nicht an Erfolg gebunden, weil es Gehalt ist, nur nicht so heißt.
Und darum wird im ersten Link auch davon gesprochen, dass begrenzte Prämienzahlungen die Gehaltspraxis an der Wall Street unterminieren würde.
Ehrlich, ich würde sagen, diese Leute müssten als erstes erschossen werden, wenn die Revolution kommt, aber ich glaube eben nicht an freien Willen. Das ist angelerntes und anerzogenes Verhalten, ein Verhalten, dass von dem System gestützt wird. Und Millionen von Menschen in den USA, Millionen von Menschen in Deutschland sehen zu. Hoffentlich fassunglos und wütend.
Wütend genug?
Es reicht nicht, diese Leute zu bestrafen. Das System muss verändert werden, damit es dieses Verhalten eben nicht mehr belohnt. So einfach ist das – und so schwer. Denn das System neoliberaler absoluter Freiheit ist seit den Achtzigern als einzig wahres verkauft worden, jetzt plötzlich Eingriffe machen zu wollen, ist eine größere Ketzerei als für die Legalisierung von Marihuana, Sex mit Tieren und Sterbehilfe gleichzeitig zu sein.
Ich will hier nichts von der Wortgrenze hören. Und sprecht mich bloß nicht auf “going Galt” an. Diese Drecksscheiße dürft ihr selber googeln.

Comments 3
Ich weiß ja nicht ob diese Prämien sogar vertraglich zugesichert wurden. Falls ja hätte ich persönlich keine Problem damit diese einzuklagen unabhängig von der wirtschaftlichen Gesamtsituation.
Außerdem glaube ich das viele die sich darüber aufregen die Prämien an deren Stelle auch ohne mit der Wimper zu zucken akzeptieren würden.
Daher halte ich von solchen Tiraden eigentlich recht wenig. Aber ich hab wahrscheinlich ein vollkommen anderes Bild von der Menschheit als du^^
Posted 18 Mar 2009 at 22:46 ¶Es ist mir schon klar, dass die meisten Leute in der Führungsetage keine Probleme damit haben, das anzunehmen oder einzuklagen. Was aber das Problem ist, denn von außen erkennt man das Unrecht. Es ist ja auch nicht so, als ob die Leute da jetzt plötzlich am Hungertuch nagten – eigentlich gehörten sie entlassen.
Idealerweise sähe das System der Unternehmensführung aber so aus, dass es (nur meinetwegen) nicht die Gier, sondern die Verantwortung des Managers gegenüber der Firma und ihren Mitarbeitern stärkt. Sodass auch Leute, die vielleicht Gewissensbisse haben oder hätten, diese in den Regelungen wiederfinden und solche, die keine haben, eben mitspielen müssen.
Es ist leider umgekehrt. Die Entscheidung für diese Prämien ist nur in einer Hinsicht rational, nämlich in der kurzfristigen Maximierung des eigenen Profits. Das ist weder für die Firma, für die Branche, für das eigene Ansehen, noch sonst was gut.
Und daran ist eben das System schuld, dass Leute zu Arschlöchern und Drecksäcken erzieht und sie dafür belohnt, welche zu sein.
Posted 18 Mar 2009 at 23:29 ¶Ich denke es wäre evtl. gut gewesen wenn der jeweilige Staat mehr Bedingungen an die Hilfszahlungen geknüpft hätte um solche Prämienzahlungen zu unterbinden.
Das hätte man halt noch alles rechtlich absichern müssen damit es nicht zu irgendwelchen Klagen gegen die Firma kommen kann.
Posted 19 Mar 2009 at 10:37 ¶Post a Comment