Wer ein wenig die us-amerikanische Presse verfolgt, der hat sicher schon eines gemerkt: Barack Obama ist der neue Präsident, und mit ihm hat sich die Welt verändert, ist ein neuer Geist nach Amerika gekommen, ist nichts mehr, wie es vorher war. Barack Obama ist nicht nur der neue US-Präsident, er ist nicht nur Hoffnungsträger einer Generation, er ist nicht nur derjenige, der nach George W. Bush fast nichts mehr falsch machen kann.
Er ist der Heiland.
Jedenfalls muss man das denken, wenn man die Presse liest. Tatsächlich bin ich über eine Forendiskussion gestolpert, die das links stehende Bild als vergleichsweise geschmackvolle Huldigung bezeichnete.
Das ist aber noch nicht alles. Ärgerlicher und amüsanter ist, dass inzwischen kein einziger Zeitungsartikel mehr ohne Verweis auf die neue Präsidentschaft auskommen darf. Da heißt es bei Filmkritiken, der Film stamme noch aus der Zeit von George W. Bush, und habe den Wandel verpasst. In einem Beitrag über amazons Kindle wird der Vergleich zwischen der ersten und zweiten Version auch durch den Vergleich zwischen Bush und Obama gezogen. Fernsehserien werden unter dem Aspekt der neuen Administration bewertet.
Ehrlich, die US-Amerikaner sollten endlich Farbe bekennen. Die Evangelikalen haben recht, die USA sind eine religiöse Nation. Ihr Fundament ist aber nicht das Christentum, sondern Barack Obama. Barack war es, der in Gestalt der ersten entflohenen Sklaven für den Bürgerkrieg sorgte; Barack fuhr in den Körper Martin Luther Kings und führte die Bürgerrechtsbewegung an; Barack war die Inspiration für Mark Twain, als er Huckleberry Finn mit einem wiederum entflohenen Sklaven zusammensteckte. Barack war schon immer Präsident, er ist und er wird immer sein.
Die Ehrerbietung ist augenblicklich so groß, dass Obama wohl gefilmt werden könnte, wie er in einem Kleid einem minderjährigen Pferd Oralsex gibt und dabei ein Plakat mit »Tod für Amerika« schwenkt, und damit nur einen neuen Trend us-amerikanischen Sexualverhaltens auslösen würde. Bevor Barack, hieße es dann, sei man viel zu intolerant mit Fohlen und deren Trieben umgegangen, und habe unter George W. Bush einfach geschehen lassen, dass Hass und Gewalt nicht wertgeschätzt wurden.
Tatsächlich haben wir nicht das Jahr 2009, schon gar nicht nach Christus. Wir schreiben das Jahr 1 n.B. – oder muss das Jahr 0 heißen?
Ich vermisse für Deutschland ja Politiker mit Visionen – nein, sogar solche mit einer Vision, oder zumindest einer Vi- (die -sion kommt schon noch irgendwann). Wenn aber das Resultat solcher Visionäre so aussieht, dann können wir am Ende doch froh sein über Angela M. und all jene, die nichtmal ihr das Wasser reichen.
Stellt euch nur vor, das obige Bild zeige Roland Koch…


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