Lange hat es nicht gedauert, bis ich im Zuge des Amoklaufs einen Fluch unterdrücken musste. Allerdings geschah das nicht aufgrund der kritikwürdigen Berichterstattung – ich habe ja keinen Fernseher mehr. Nein, es geht um Killerspiele, Waffen und den Schäuble.
Der hat mal wieder was gesagt.
Im Tagesschau-Chat sprach er sich gegen schärfere Waffengesetze aus. Die seien nicht das Problem, sondern die medialen Gewaltdarstellungen – und unsere Freiheit. Denn:
Machen wir von unserer Freiheit in Zeiten moderner Medien nicht einen zu exzessiven Gebrauch?
Dieser Mann ist gefährlich. Gefährlich für unsere freiheitliche Grundordnung. Nicht nur kritisiert er das Bundesverfassungsgericht als Bremse, sondern jetzt spricht er sich offen nicht gegen Freiheit, aber das Nutzen derselben aus.
Was alte Säcke wie Herr Schäuble nicht realisieren ist, dass Internetnutzung und Computerspiele zu völlig normalen Sozialisationserfahrungen Jugendlicher gehören – auch Ego-Shooter. Amokläufer werden nicht durch Computerspiele gemacht. Ja, jede Mediennutzung kann wahrscheinlich Aggressionspotientiale fördern, und Spiele sind durch ihre Interaktivität wohl darin besonders gut. Aber die Lösung heißt Medienkompetenz. Es gab auch vor Counterstrike schon Amokläufer.
Der SWR berichtet:
Nach Auskunft von Rech geht aus Musterungsunterlagen hervor, dass der Amokschütze im vergangenen Jahr wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung war. Er sollte er die Therapie eigentlich in Winnenden fortsetzen, verweigerte dies jedoch.
Und auch andere Amokläufer passen in diese “Erkenntnis”:
most of the shooters were severely mentally ill, their defective personalities and disordered minds causing existential rage that found its expression in mass murder.
Stellt euch das mal vor: Leute, die mit Waffen reinspazieren und rumballern haben psychische Probleme.
Dank dieser Probleme, ja, das gebe ich zu, suchen sie sich dann sicher auch passende mediale Komplemente. Vielleicht Computerspiele, oder Videos, oder sogar – Schock! – Bücher. Sollen wir darum Thriller und Horrorbücher verbieten? Und wie steht es dann mit Nachrichten oder Serien wie CSI? Wer den Kick will, findet ihn, zuletzt auf dem Schwarzmarkt.
Herr Schäuble hätte aber lieber, dass wir unsere Freiheit nicht so sehr ausnutzen. Dafür haben wir sie ja nicht, dass wir sie nutzen, sondern damit wir anderen sagen können, dass wir besser sind. Moralische Überlegenheit also. Und jetzt soll das Verfassungsgericht mal den Schäuble endlich machen lassen, unseren kleinen Terrier.

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