Twilight: Der Anfang

Dies ist Teil 1 von 61 der Serie Zwielicht am Sonnabend

Im Filmgeschäft kennt man vier Zielgruppen, darunter Frauen unter 25 und »ältere Frauen«. Die Bis(s)-Buchreihe von Stephenie Meyer schafft es, beide dieser Gruppen anzusprechen, und mich jetzt auch. Ich habe Twilight gekauft, das englische Original von Bis(s) zum Morgengrauen, und werde es in einer wöchentlichen Reihe chronologisch besprechen, in etwa nach dem Vorbild des Slacktivists und seiner Behandlung der Left Behind-Reihe.

Leider ist Twilight nicht ganz so schlecht.

Das ist ein ehrliches Statement, und nicht schwer zu sagen, da Left Behind augenscheinlich zum Schlechtesten gehört, was man literarisch so finden kann. Aber das verringert trotzdem die Menge dessen, was ich über Twilight sagen kann.

Was nicht heißen soll, dass man nichts dazu sagen kann. Twilight ist in meinen Augen kein Vampirroman, sondern ein Liebesroman mit Vampirthematik. Das Buch ist gleichzeitig Wunscherfüllung und (keusche) Masturbationsphantasie und verrät meines Erachtens viel über zumindest die ideale Leserin, über das transportierte Verständnis von Geschlechterrollen und nicht zuletzt über Religion, Gott und Sünde.

Das alles soll im Folgenden wirklich ausgewalzt werden, also sehen wir uns hoffentlich jetzt jeden Samstag hier zum »Zwielicht am Sonnabend«. Und damit legen wir dann am besten gleich mal los, und zwar noch vor Beginn des eigentlichen Buches. Bis nächste Woche solltet ihr dann, falls ihr mitlesen wollt, schon so gute zehn Seiten gelesen haben. Hausaufgaben – auch das noch!

Stephenie Meyer beginnt Twilight mit einem Motto. Das Motto ist aus der Bibel, genauer Genesis 2:17. Hier auf Deutsch:

doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.

Mit diesem Motto gibt sich Meyer einerseits gleich einen religiösen Anstrich, denn der Vers ist keineswegs ironisch zitiert. Allerdings hätte sie dazu jeden Bibelvers nehmen können. Dieser spezielle aber bezieht sich auf den Sündenfall, auf die Verdammnis des Menschen aus dem Paradies und seine Sterblichkeit.

Die Erbsünde wiederum und das Wissen von Gut und Böse ist nicht selten mit sexuellem Erwachen gleichgesetzt worden; nicht von ungefähr sind Kinder noch »unschuldig« und dürfen in den Himmel. Hier spielt Meyer durchaus geschickt mit dem Schauder, den diese Drohung verursacht, weil sie einerseits Verdammnis verheißt, andererseits aber gerade dieses sexuelle Erwachen. Der Todesbezug wiederum wird ebenfalls ironisch gebrochen, denn kaum jemand, der dieses Buch liest, wird von den darin vorkommenden Vampiren überrascht sein. Der Baum der Erkenntnis ist in diesem Falle also Edward Cullen, aber ob es den Tod bringt, von ihm zu kosten, oder die Unsterblichkeit, ist ja gerade die Spannung dieses Buches.

Das Motto halte ich also für überaus gelungen und thematisch dicht. Was kein Kunststück ist, denn es wurde ja geklaut.

Bevor ich mich aber in der nächsten Woche mit den ersten Seiten, vielleicht sogar dem ersten Kapitel beschäftige – und dann bereits wesentlich weniger lobe – noch ein kleines Zitat aus den Danksagungen, die ebenfalls als kleine Drohung fungieren:

(thank you to) my online family, the talented staff and writers at fansofrealitytv.com

Fans of Reality TV. Be very afraid.

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