Auch in der Wiege des Großen Bruders wird darüber debattiert, der BBC, also den Öffentlich-Rechtlichen Gebühren abzuzapfen. Denn Deregulierung ist der Freund eines jeden Politikers. Plötzlich hatte ich eine Epiphanie.
Es gibt eine Verschwörung in Deutschland.
Die BBC ist ein staatlich finanzierter Sender, und auch wenn sie natürlich viele »normale« Sendungen hat, so liefert sie auch immer wieder besonderes Fernsehen, Programme, die qualitativ hochwertigst sind und sogar solche, die übliche Fernsehstandards sprengen und damit das Medium weiterentwickeln:
Doctor Who, Life on Mars, Fawlty Towers, The Office, Planet Earth, Blake’s 7, Black Adder, Hustle sind nur einige Beispiele – jeder hat wahrscheinlich eigene. Im Radio gibt es beispielsweise In Our Time, The Forum, Thinking Allowed, Any Questions – und dann natürlich die Nachrichten der BBC. All das macht das Buchstabenkürzel zu einem Qualitätszeichen. Es gibt auch Durschschnittsware, aber wenn es von der BBC ist, schaue oder höre ich zumindest mal hin.
So soll es sein: Perlen in einem Meer, sodass selbst der Zuschauer, der eigentlich nur den Krimi sehen will, in die anspruchsvollen Formate reinrutscht und vielleicht sogar ins Bildungsfernsehen, was er absichtlich nie eingeschaltet hätte. Darum sind Rundfunkgebühren auch eine gute Idee.
Wie verhält sich das bei den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland? Da gibt es Fußball und Volksmusik – und, zugegeben, gute Krimis. Auf den dritten Programmen laufen Zoosendungen. Bahnbrechendes Fernsehen erwartet man hier zu Unrecht. Was machen die eigentlich mit den Gebühren, außer gute Filme um Mitternacht versenden und Informationssendungen kürzen? Nichts.
Und zwar absichtlich. Die Idee geht so: Wenn ARD und ZDF dieselbe Scheiße senden wie die anderen Sender, dann kann man auch Rundfunkgebühren nicht mehr rechtfertigen. Wenn jetzt die Gebühren immer noch erhöht werden, dann gibt es mehr und mehr Leute, die sich abmelden. Und irgendwann können wir die Sache dann ganz einstellen, und der Rundfunkstaatsvertrag bezieht sich dann nur noch auf einen Infokanal, auf dem Dokumentationen laufen, die keiner sich ansieht.
Dafür können wir dann noch mehr Geld für Fußballrechte verlangen, einzelne Produzenten verdienen mehr, und… na ja, das Endziel ist mir noch nicht so ganz klar. Außer Volksverdummung, das geht ja immer.
Trotzdem: wie kann es sein, dass die Alte Dame BBC immer noch großartige Sendungen produziert, ARD und ZDF aber nur ein bürokratischer Moloch sind, die beide gleichzeitig von Hochzeiten berichten, sinnlose Brennpunkte produzieren und Sport zeigen? Das muss doch Absicht sein, oder? Dann könnte man wenigstens was ändern…

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