Von guten Mächten treu und still umgeben

An der Gemeinschaftsgrundschule in Pesch wurde seit zwei Jahren jeden Morgen in der Klasse gebetet, und zwar die erste Strophe des Bonnhoefer-Gedichts »Von Guten Mächten«. Letzte Woche die schlechte Nachricht: nachdem sich die Eltern eines Kindes beschwert hatten, wurde das Beten erst Mal verboten.

Aber das NRW-Ministerium reagierte schnell.

Schon im NRW-Schulgesetz gilt als eine der obersten Pflichten, die Ehrfurcht vor Gott zu vermitteln. Da dauerte es also keine Woche, bis das Beten wieder erlaubt war (via hpd). Wahrscheinlich, weil man sich dieser Meinung anschloss:

Wer das Gebet an Jesus Christus verbietet, der greift Gott an. Kinder sollen beten dürfen, auch an einer Gemeinschaftsgrundschule. Das Gebet kennt keine Grenzen

Na toll. Wenigstens, so hofft man, dürfe man jetzt Kinder, die am Gebet nicht teilnehmen wollen, aus der Klasse schicken.

Das hat uns die Schulaufsicht damals verboten. Sie teilte uns mit, das sei Ausgrenzung

Ach was. In einer konfessionslosen Grundschule wird also weiter jeden Morgen gebetet, Zwangsveranstaltung. Es wundert mich nicht, kenne ich doch einen Studenten, der aus der Ecke kommt, und in seiner Schulzeit vor gut zehn Jahren noch zu hören bekam, dass die Evolutionslehre Unsinn sei.

Dass aber das Schulministerium da mitzieht, finde ich schon interessant. Ob bei Frau Sommer auch jeden Morgen das ganze Büro zusammen betet? Und wenn ja, muss dann die muslimische Mitarbeiterin für diese Zeit vor die Tür und der atheistische Postdienstler sich die Finger in die Ohren stecken?

Hoffentlich geht das vor Gericht. Denn das ist eindeutig eine Zwangsveranstaltung, die da stattfindet, ein Zwangsgebet in der Schule, und das geht nicht. Da wird man gezwungen, entweder mitzumachen und sich zu verstellen, oder aber automatisch ausgegrenzt zu werden.

Sie haben das natürlich mitbekommen und wissen, um welches Kind es sich handelt. Aber das Mädchen wird nicht ausgegrenzt – nach wie vor verabreden sich die Kinder.

Stell dir vor, die Kinder verabreden sich immer noch mit dem Mädchen. Die sind ja so tolerant!

Nur als Beispiel: man ersetze das Gebet mit dem Fahneneid. Sind dann alle damit zufrieden? Was, wenn in Pesch das Gedicht eines Imams zitiert würde, fänden die das dann immer noch gut?

Die Schule ist nicht der Ort für solche Veranstaltungen. Dass die Schulministerin das anders sieht, ist schade, aber Menschen machen Fehler, und Politiker sowieso. Man kann ja nicht von jedem Verfassungstreue erwarten.

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  1. From Gebet erhört: es darf gebetet werden | Derangierte Einsichten on 10 Mar 2009 at 16:19

    [...] hatte ja über die Grundschule in Pesch geschrieben, die jeden Morgen mit einem Gebet begann, bis ein Elternpaar dagegen Einspruch erhob. Das Beten [...]

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