Überraschende Wendung

Dies ist Teil 4 von 5 der Serie rabbit hole day

Ich wagte nicht zu fragen. Zum Glück nahm der Roboter an, dass ich ihn ohnehin nicht verstanden hatte, und erklärte es mir. »Ich habe mich bereits umgebracht. Anstatt aufzuhören, zu existieren, bin ich immer noch hier. Also muss ich mich noch einmal umbringen, und wenn es sein muss, noch einmal. Bis es hält.«

»Und warum willst du – wollen Sie sich vor einen Zug werfen, der stehen bleibt?«

»Weil ich bereits darunter liege.«

»Das verstehe ich nicht«, sagte ich, unfähig zu einer geschickteren Formulierung.

»Welche Überraschung«, sagte der Roboter. »Was wissen Sie von Geistern – außer, dass sie tot und unsichtbar sind?«, fügte er schnell hinzu.

Ich überlegte. »Sie können durch Wände gehen?«

»Überraschend, gleich beim ersten Mal. Was bedeutet das?«

Ich runzelte die Stirn.

Der Roboter – ich muss es nicht erwähnen – seufzte. »Wenn man durch Wände gehen kann, glauben Sie dann, dass man sich besonders gut umbringen kann?«

Ich stellte mir vor, wie ein Geist durch das Seil rutschte, das er sich um den Hals legte, wie er versuchte, ein Messer oder eine andere Waffe zu greifen, wie eine Dose Schlaftabletten durch ihn durchfiel. Das wäre mal eine andere Art von Durchfall. Ich musste schmunzeln.

»Bitte sagen Sie mir nicht, woran Sie gerade denken. Beantworten Sie meine Frage.«

»Wahrscheinlich kann man sich nicht sehr gut umbringen.«

»Wieder richtig. Erstaunlich, Sie machen sich. Also kann ich mich nicht umbringen, es sei denn…« Er schien darauf zu warten, dass ich darauf kam.

Ich kam nicht drauf.

»Es sei denn«, sagte er mit hörbarem Augenrollen – das meine ich wörtlich, ich konnte hören, wie seine Augen in ihren Höhlen rollten. Es klang wie Murmeln im Holzlabyrinth. »Es sei denn, ich bringe mich noch mal da um, wo ich schon gestorben bin. Beim ersten Mal ist mir die Bahn dazwischen gekommen, als ich mich auf die Stromschiene gelegt habe. Beim zweiten Mal hätte es vielleicht geklappt, obwohl ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Es wäre zu einfach gewesen. Aber zum Glück sind Sie ja gekommen und haben mich aufgehalten.«

»Moment«, sagte ich. »Sie waren schon zu spät, ich war ja in der U-Bahn, als sie stehenblieb.« Dabei fiel mir was ein. »Wieso können Sie eigentlich zwei Mal vor die selbe U-Bahn fallen? Das geht doch gar nicht.«

»Nicht mit einem linearen Zeitverständnis«, stimmte der Roboter zu. »Wenn Sie aber bedenken, dass Zeit eigentlich nur eine weitere–«

»Ich habe eine Idee«, sagte ich.

»Das ist wahrscheinlich ein so seltenes Ereignis, dass ich selbstverständlich volles Verständnis dafür habe, dass Sie meine Ausführungen über die Zeit unterbrechen. Wozu braucht man schon Zeitreisen und Physik, die der Ihren um Jahrhunderte voraus ist. Lassen Sie mich an Ihrer Idee teilhaben. Ich bin sicher, sie beinhaltet nackte Frauen.«

»Tut sie nicht«, sagte ich.

»Entschuldigen Sie. Ich wollte nicht unhöflich erscheinen. Nackte Männer also.«

Ich wischte den Einwand einfach weg. »Ich habe eine Idee, die mir sicher ebenso viel Freude machen wird wie Ihnen«, sagte ich. »Ich werde Sie nämlich umbringen.«

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