Päpstliche Moral

Dies ist Teil 1 von 2 der Serie religion

Gerade habe ich den Podcast Reasonable Doubts gehört. Einmal mehr musste ich mir die Frage stellen, wie man den Papst als oberste moralische Instanz akzeptieren kann.

Mit anderen Worten: Warum gibt es noch Katholiken?

In seiner Neujahrsansprache redete Papa Ratzo von Frieden, Freiheit und dem Kampf gegen Armut; alles gut und schön. Ebenso legte er der Welt ans Herz, sich doch mehr um die Kinder zu kümmern:

A very particular concern must be shown for children: twenty years after the adoption of the Convention on the Rights of the Child, they remain very vulnerable.

Das ist ein Maß von Doppelmoral, wie man es nur selten hört. Ja, jetzt kommt wieder die Sache mit den Priestern und den Kindern. Das ist ein weltweites Problem, keine isolierten Fälle, und die Antwort der Katholischen Kirche war immer gleich: totschweigen, vertuschen, einschüchtern.

In Everything you know about God is wrong ist auszugweise der Bericht der Jury im Sexskandal von Philadelphia enthalten, der das großangelegte Verschiebesystem der Erzdiözese auf Gewaltphantasien erzeugende Art und Weise schildert. Gerade gibt es eine Klage, nach der Priester absichtlich nach Alaska geschickt wurden, weil die dortigen Stämme weniger wahrscheinlich Übergriffe melden würden. Aus Deutschland kennt man ebensolche Fälle natürlich auch.

Herr Ratzinger hatte als Kardinal selbst sogar einen Brief veröffentlicht, nach dem diese Übergriffe gegen Minderjährige sowie wichtiger Brüche von Sakramenten der kirchlichen Gerichtsbarkeit und der päpstlichen Geheimhaltung unterliegen. Diese sind, nimmt man das päpstliche Dekret dazu (selber Link), ansonsten Gegenstand von Bußsakrament und Beichtgeheimnis, ein Verrat desselben führt zu Exkommunikation – und theologisch einer Reise in die Hölle.

Tja, und dann kommt der Podcast ins Spiel sowie der Sexskandal von Boston. Letzteres könnt ihr in der mit dem Pulitzerpreis belohnten Berichterstattung des Boston Globe hier nachlesen. Siehe auch den PBS-Film Hand of God. Auch hier typisches Verhalten: Verschieben, leugnen, vertuschen, bis es endlich rauskommt. Damals musste der verantwortliche Bischof seinen Hut nehmen – und nahm ihn auch. Sein Name war Bernardo Francesco Kardinal Law.

Kurz darauf kehrte er in den Vatikan zurück. Da ist er noch immer, und zwar gut aufgehoben. Er ist Erzpriester einer päpstlichen Basilika. Er nimmt an den folgenden Kongegrationen teil: für orientalische Kirchen, für Göttliche Anbetung und die Disziplin der Sakramente, für Bischöfe, für die Evangelisierung der Menschen, für den Klerus, für Institute des Heiligen Lebens und Gesellschaften des Apostolischen Lebens, für Katholische Erziehung. Und er ist Mitglied des Päpstlichen Konzils für… die Familie.

Also, lieber Papst, wenn du dich so um die Kinder sorgst, dann gibt es einen einfachen Tipp von mir: Schmeiß Law raus. Schmeiß alle raus, die mit so was zu tun hatten und schwiegen. Ändere das System. Oder halt die Klappe.

Echt: wie kann es da noch Katholiken geben? Man kann doch auch ohne Papst Christ sein (anscheinend sogar ohne die Bibel, wenn ich mir moderne Christen so ansehe). Oder, wenn man denn Katholik sein will, um nicht in die Hölle zu kommen: warum macht man dem Papst nicht Feuer untern Hintern, damit der gar nicht anders kann, als was zu ändern?

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  1. From Derangierte Einsichten - Der Papst prangert an! on 16 Feb 2010 at 23:39

    [...] Siehe vor einem Jahr: Päpstliche Moral. [...]

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