2008 war ein weiteres Jahr, in dem ich die “Neuen Atheisten” als stärkste Front der Aufklärer bezeichnen würde. Auch wenn die entscheidenden Bücher bereits erschienen sind, die Reaktionen auf ihr Erscheinen sind es noch nicht. Es gab Gegenbücher und solche, die in der Welle mitschwimmen wollten. Aber 2008 erschienen auch z.B. Ben Goldacres Bad Science und vor allem Trick or Treatment von Simon Singh und Edzard Ernst.
Hoffen wir, dass das ebenfalls ein beginnender Trend ist.
Wissenschaft und wissenschaftliches Denken sind nicht gerade »in«. Anstatt, dass mehr Frauen in die Naturwissenschaften kommen, gehen die Zahlen eher geschlechtsübergreifend zurück. Das ist kein Fortschritt. Zeitungen verzichten mehr und mehr auf Wissenschaftsjournalisten und lassen die Berichte von Nicht-Spezialisten schreiben – sogar CNN hat keinen solchen mehr.
Homöopathie und andere seit Ewigkeiten widerlegte Ideen sind weiter munter dabei, und die nächste dumme Idee lässt höchstens so lange auf sich warten, wie man »Quanten« sagen kann. Ich fürchte, nachdem Jim Carrey seiner antiwissenschaftlichen Impfhasserfreundin Jenny McCarthy die Verfügungsgewalt über 50 Millionen Dollar gegeben hat (via), schwappt die neueste Impfgegnerwelle auch noch zu uns rüber.
Also Schluss mit lustig.
Es reicht nicht mehr, den vermeintlich Irrgläubigen zu belächeln. Sich selbst überlegen zu geben und die Dummen machen zu lassen. Nicht nur, dass selbst scheinbar harmlose Ideen ungeahnte Folgen haben können, nein, auch abseits von persönlichen Schicksalen gibt es einfach bestimmte Dinge, die wir uns nicht leisten können:
Wir können uns nicht leisten, dass Politikverdrossenheit zu Demokratieverdrossenheit führt, sondern müssen die Vorzüge dieses besten aller schlechten Systeme klarstellen.
Wir können uns nicht leisten, dass Wirtschaftskrisen und eine Abkehr von der einen Ideologie nur zur nächsten führt, sondern müssen auch die Vorzüge eines freien Marktes und der Globalisierung herausstellen.
Und wir können es uns schon gar nicht leisten, in einer Gesellschaft, die auf Informationstechnologie nicht mehr verzichten kann, in der technischer (und wissenschaftlicher Fortschritt) schneller geschieht als je zuvor, Wissenschaft abschreckend werden zu lassen. Das ist schlecht für unser Land, aber noch viel wichtiger, schlecht für unser Geschlecht.
Der Mensch greift entweder nach den Sternen oder wird zum Sofapupser. Heute wissen wir, wie weit die Sterne weg sind, und die Tendenz, sich mit unseren High-Tech-Sofas zufrieden zu geben, ist groß. Stattdessen müssen wir lange Greifmechanismen bauen.
Generationen von Menschen waren vor uns auf der Erde und haben versucht, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, mit mehr oder manchmal auch weniger Erfolg. Ihnen haben wir es unter anderem zu verdanken, dass wir das System unserer Erkenntnis – die Wissenschaft – verfeinert haben. Wir sind besser geworden, aber noch lange nicht gut genug. Es gibt kein Zurücklehnen, denn nach uns kommen wieder welche, die von uns schließlich nicht dasselbe sagen wollen wie wir vom 14. Jahrhundert.
Die größte Lüge der Falschdenker ist es, das Leben mit wissenschaftlichem Anspruch sei hohl, farblos und leer. Stattdessen ist es das Weltbild der Anti-Wissenschaftler, die einfache und oft krude Lösungen den komplexen Wundern vorziehen, die unsere Welt und unser Universum beherrschen. Diesen Fehlschluss sollten wir uns für 2009 vornehmen, zurechtzurücken. Für uns, für jene, die vorher kamen, und für jene, die noch kommen mögen.
2009. Darwin-Jahr. Lassen wir es nicht bei einer Kerze in der Dunkelheit. Holen wir die Welt zurück ins Licht.

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