»Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Jetzt hör auf, dich zu sorgen, und genieß dein Leben!« So steht es (übersetzt) auf den Bussen in England und, ähnlich, auch in Spanien, im Rahmen einer Werbekampagne, die ausschließlich spendenfinaziert ist. Und der Erfolg lässt die Blogwelt tickern. Sollte es das nicht sogar in Deutschland geben? So fragt z.B. sapere aude, und die Webseite der britischen Kampagne hat sogar einen an Deutsche gerichteten Teil.
Also: Sollte es das nicht sogar in Deutschland geben?

A = Atheist (outcampaign.org)
Atheist ist sicher eine Bezeichnung, die meine Einstellung zur Gottesfrage korrekt wiedergibt. Ich bin ziemlich stark davon überzeugt, dass es keinen Gott gibt. Aber das bedeutet nicht, dass ich es für unmöglich halte. Es ist durchaus möglich, dass es einen oder mehrere Götter gibt, das hängt nur auch von der Definition des Gottesbegriffs ab. Ein persönlicher Gott ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht existent, aber andere Gottesvorstellungen sind durchaus denkbar. Darum habe ich an einem gesunden Deismus auch wenig auszusetzen. Aber genau diese Unschärfe im Gottesbegriff führt dazu, dass ich auch einen Bezug auf Wahrscheinlichkeit in einer solchen Kampagne haben wollte.
Der zweite Problembereich besteht darin, dass »Atheist« nur eine sehr unzureichende Bezeichnung für mich ist. Sie bezieht sich ausschließlich auf die Gottesfrage und meine Stellung dazu. Sie schließt aus, ohne darüber hinaus etwas auszusagen. Lieber wäre mir eine Kampagne säkularer Humanisten (oder gar »evolutionärer Humanisten«), Naturalisten, Freidenker o.ä. Dann würde man der Gottesgestalt eigene Inhalte gegenüberstellen und keinen reinen »Spaßbefehl«.
Aber ich sehe ein, dass sich bei diesen Begriffen sofort Leute ausgeschlossen fühlten, die unter dem Banner »Atheismus« abgedeckt werden. Mit »Wahrscheinlich gibt es keinen Gott« könnte man vielleicht sogar ein paar Agnostiker ins Boot holen. Da muss man sich eben zwischen Flächenwirkung und Genauigkeit entscheiden, und ich verstehe, dass das großflächigste Merkmal genommen würde.
Auf der anderen Seite gefällt mir ausnehmend, dass die Kampagne zwar offensiv ist, aber nicht unnötig aggressiv. Die Schlussfolgerung des ersten Satzes wird gerade nicht mit einer Botschaft unterfüttert, sondern verdeutlicht, dass sich das Leben dadurch nicht ändert. Es gibt (wahrscheinlich) keinen Gott – na und? Das ist eine sehr schöne Aussage, die trotzdem noch für Diskussionen sorgen kann.
Wobei ich sicher bin, dass die armen, verfolgten Christen in ihrem Opferkomplex auch daraus wieder eine Beleidigung machen würden. Bischof Mixa steht bestimmt schon bereit. Na ja. Da müssen wir dann durch.
Zumal die Kampagne von den deutsche Brights gemacht wird, und mit dieser Organisation haben ja auch einige Leute ihre Probleme.
Trotzdem: Her mit der Buskampagne! Ich spende auch (oder bespraye Busse des nachts mit dem Slogan, Maske zur Unkenntlichmachung hab ich schon).
Nachtrag: Anlaufstelle ist wohl das Brights-Blog
Und der Wahrscheinlichkeitsbezug ist drin in den Entwürfen:
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Comments 2
Grundsätzlich gebe ich dir recht mit dem Wahrscheinlichkeitsbezug. Aber ich weiß nicht, andererseits klingt das so wischi-waschi. Es soll ja eine Botschaft rübergebracht werden, da kann man schon mal ein bißchen aggresiver zu Werke gehen… find ich.
Posted 16 Jan 2009 at 09:22 ¶Ja, das ist die Gretchenfrage: mit der offensiveren Version holt man wahrscheinlich Zweifler ins Boot und stärkt das Bild der eigenen Gruppe; mit der anderen Version befriedigt man Seriösitätsansprüche und kann vielleicht vorgeblich Gläubige zum Nachdenken bringen, die bei einem offensiveren Weg eher abschalten.
Es muss auf jeden Fall Platz für beide Wege geben, aber ich halte den Zweiten für klüger, wenn es um diese Buskampagne geht, auch weil die eben in den anderen Ländern so operieren.
Andererseits kann man auch sagen, wenn man eh als unhöflich beschimpft werden wird (wird man dann ja bestimmt, gerade von der ProReli-Front), dann kann man auch offensiv rangehen.
Posted 16 Jan 2009 at 19:04 ¶Post a Comment