[Am "Rabbit Hole Day" soll man sein Blog für einen Tag verändern, damit die Leser wie Alice im "Kaninchenbau" zu sein scheinen. Ich habe dafür den Tag damit verbracht, fünf Beiträge zu schreiben. Natürlich, wie es sich gehört, aber nicht am 27. Januar, sondern 5 Tage zu früh. Was soll man machen?]
In der Ferne konnte ich die Jagdrufe eines Rudels Gummienten hören. Die Zeit drängte. Ich musste hier raus.
»Es ist so unvorstellbar, dass Sie auf einen Plan gekommen sein sollen, den ich nicht bereits verworfen habe, dass es wahrscheinlich stimmt.« Der Roboter sprach aus Erfahrung. »Also erklären Sie mir ihren Plan.«
»Ich glaube, du musst dich nicht vor den Zug werfen«, sagte ich und merkte gar nicht, dass ich den Roboter duzte. Der wiederum seufzte. »Du musst dich in deinen Körper legen, vor dem stehenden Zug. Dann kann ich dich töten.«
»Das ergibt keinen Sinn«, sagte der Roboter.
»Darum wird es funktionieren!«, triumphierte ich.
»Kennen wir uns?«, fragte der Roboter. »Haben Sie noch einen Kopf?«
»Habe ich nicht. Aber wir kennen uns.« Ich breitete meine Arme aus. »Ich kenne das alles hier. Woher wusste ich, dass da hinten Gummienten auf die Jagd gehen? Warum zwinkert der Mond mir zu? Dies ist meine Welt!«
»Können Sie mich dann nicht hier und jetzt töten?«, fragte der Roboter. »Bevor Sie völlig verrückt werden? Das steht nämlich anscheinend kurz bevor.«
»Nein«, sagte ich, »es muss schon alles seine Richtigkeit haben!«
Ich lief die Stufen herab. »Komm schon!«, rief ich, ohne zu sehen, dass der Roboter stehen geblieben war. Ich wusste es einfach.
Auf dem Bahnsteig angekommen, wartete ich, bis ich das Seufzen hörte, dann wies ich in den Tunnel. »Dort entlang!«
Ich lief, so schnell ich konnte, durch die Dunkelheit. Mehrmals fiel ich und schürfte mir die Handflächen auf. Plötzlich stieß ich mit meiner Schulter vor etwas Hartes und stürzte erneut. Ich hatte die U-Bahn erreicht.
Als ich aufstand, tat mein Knie so weh, dass ich kaum laufen konnte. Aber ich ließ mich nicht unterkriegen, nicht so kurz vor dem Ziel, so kurz vor der Heimkehr. Ich schleppte mich am Stahlskelett des Zugs entlang, bis ich die Front erreicht hatte. Halb vor, halb unter der Bahn lag der Körper des Roboters. Er roch nach verbranntem Kabel.
»Roboter?«, fragte ich.
»Ich liege in meinem Körper«, sagte der Roboter. »Es fühlt sich nicht besonders gut an.«
»Keine Angst«, sagte ich. »Es ist gleich vorbei.«
Ich ließ mich auf die Knie nieder und tastete nach seinem Kopf. »Sie beschmieren mich mit ihrem Blut«, beschwerte sich der Roboter.
»Dann sieht es echter aus«, sagte ich. Ich nahm einen Stein von Gleisbett und hob ihn hoch. Dann schmetterte ich ihn nieder.
Das Licht ging flackernd wieder an. Erst das Licht, das mir am entferntesten war, dann einen Schritt näher, dann noch näher, und schließlich auch das Licht über mir.
Ich war immer noch im Tunnel. Der Roboter lag reglos neben mir. Und um mich herum hockten die Gummienten. Sie waren dem Geruch meines Blutes gefolgt. Aus dem Dunkel unter dem Zug funkelten mich die Augen ihrer Anführerin an, einer stummen Ente in schwarzem Leder.
Die Gummienten stürzten sich quietschend auf mich, und mein letzter Gedanke galt dem Roboter. Ich hätte ein besseres Blog schreiben können, ich hätte… gar nichts
Ich ergab mich den Schmerzen, dem Licht – und der Dunkelheit. Und seitdem sitze ich hier und warte, um dir meine Geschichte zu erzählen und dich um etwas zu bitten.
Würdest du mich bitte ein zweites Mal umbringen?

Die Anführerin
(Mit Entschuldigung an Douglas Adams)

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