Ich mag den Hulk von Ang Lee, auch wenn der Film ein paar zähe Momente hat und der letzte Kampf ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist. Aber die Idee, dem Hulk etwas Tiefe zu verleihen und vor allem die großartige Verwendung von Split Screen für comichafte Optik machen Hulk trotzdem zu einem guten Leihfilm… der nicht besonders gut ankam. Also hat man mit Der Unglaubliche Hulk (U-Hulk) einen Neustart gemacht, diesmal mit Edward Norton in der Hauptrolle.

Incredible Hulk (2008)
Ich würde ja Spoiler setzen, aber die Filmtrailer zu U-Hulk haben bereits die Verwandlung von Tim Roth in ein hulkeskes Ungetüm namens Abomination verraten, also ist mir das auch egal.
Man muss Louis LeTerrier und seinem Team lassen, dass sie die Geschehnisse ganz gut in Szene setzen. Es gibt keine wirkliche Kamerasteuerung der Ereignisse, es lässt sich aus den Bildern wenig ableiten, aber man sieht alles so, wie man es sehen sollte, und es gibt auch in den Actionszenen nicht zu schnelle Schnitte, um Kosten zu sparen oder ähnliches. Die Effekte sind glaubwürdig genug, wenn auch nicht überragend, und so ist eigentlich der ganze Film: ausreichend, nicht überragend.
Man hat das Gefühl. als würde die gesamte Geschichte nur abgespult, um endlich zum Endkampf zu kommen. Bruce Banner in Brasilien, er wird gejagt, er entkommt in die USA, begegnet seiner Jugendliebe, wird gejagt, entkommt nach New York, wird geheilt – aber doch nicht –, und muss sich schließlich opfern, damit wir endlich ohne schlechtes Gewissen »Hulk Smash!« sehen können!
Auf dem Weg zu diesem Smash richtet der Hulk einigen Schaden an, wie es sich gehört. Dabei hat man trotz Blutleere nicht den Eindruck, als würde forciert darauf geachtet, den Hulk nicht zu einem zu großen Monster zu machen. Es gibt keine Einstellungen, in denen benommene Soldaten nach dem Angriff des Hulks noch einmal aus den Trümmern klettern. Stattdessen kann man davon ausgehen, dass der Hulk mehrere Menschenleben auf der Leinwand lässt.
Leider ist das die einzige wirkliche Stärke des Films. Die Liebesgeschichte zwischen Liv Tyler und Edward Norton funktioniert nur, weil sie eben funktionieren muss. Es gibt keine wirkliche Chemie, was auch daran liegen mag, dass auf der einen Seite oft eine CGI-Figur steht und auf der anderen Seite Liv Tyler. Obwohl die CGI-Figur gar nicht so schlecht spielt.
Ähnlich verhält es sich mit Tim Roth. Warum der ein unkontrollierter Wüterich werden will, ist nicht so ganz klar, und die Konfrontation mit dem Hulk passiert folgerichtig eher, weil es halt so kommen muss, und nicht aus irgendwelchen Gründen in der Geschichte des Films. Das Opfer von Bruce Banner, sich nach der vermeintlichen Heilung den Hulk zurückzuholen, ist von der Idee her wirkungsstark, aber durch die fehlende Untermauerung der Geschichte nichtssagend, und der daran anschließende Kampf ist toll gemacht, aber trotzdem langweilig, weil es um nichts besonderes geht; nur darum, die beiden CGI-Monster wüten zu sehen. Der Begriff des Augenzuckers (»eye candy«) war nie treffender.
Aber wahrscheinlich hatte ich oben Unrecht. Es ging gar nicht darum, bis zum Endkampf vorzudringen und den Rest eben durchzunudeln. Entscheidend ist vielmehr die letzte Szene, die auf den kommenden Film der Rächer hinweist. Der ganze U-Hulk existiert nur, um den Avengers ein tie-in zu geben. Und das wäre dann schon wieder so konsequent, dass man es loben müsste.

Comments 2
Warum nennst du Tim Roth eigentlich dauernd Robert Carlyle?
Posted 02 Jan 2009 at 11:20 ¶Gute Frage. Wahrscheinlich, weil es sich dabei um denselben Schauspieler handelt, der nur mit 2 Namen doppelt Geld macht.
Vielmehr bringt mich der Kommentar in eine Bredouille: Korrigiere ich den Beitrag – dann ergibt der Kommentar keinen Sinn mehr – oder nicht – dann bleibt der Beitrag falsch?
Ich korrigiere.
Posted 02 Jan 2009 at 18:13 ¶Post a Comment