Zunächst zur Grundgeschichte. Zodiac beginnt 1969 mit dem Date zwischen zwei jungen Amerikanern, die an einen ruhigen und verlassenen Ort fahren, um zu schmusen. Wir erleben das nervöse Pärchen auf dem Weg dorthin und bei ihrer Begegnung mit dem Killer, der sich später Zodiac nennt. Der Mord, der nun geschieht, ist ebenso wie der zweite Mord, den wir auf der Leinwand sehen, von Aufnahmen aus der Perspektive der Figuren (vor allem der Frauen) geprägt und von einer Umwelt, die entweder in der Dunkelheit oder im Gras verschwimmt und so den filmischen Raum klaustrophobisch wirken lässt, schon bevor der Killer zu sehen ist. Die Bluttaten dann geizen nicht mit eben diesem Blut und wirken durch die vorherige Nähe zu den Opfern und ihre harsche Inszenierung besonders brutal – ganz anders als der dritte Mord an einem Taxifahrer. Bei diesem gibt es keine Figurensicht, sondern eine Verfolgerkamera aus der Vogelperspektive und so geht dieser Mord, obwohl ebenso blutig, viel weniger nahe.
Das passt, denn spätestens hier ist Zodiac weniger daran interessiert, wer der Killer ist und warum er mordet, was die Verbrechen mit den Hinterbliebenen anstellen oder sonst irgendwelche typischen Fragen dieses Genres. Das ist besonders verwunderlich, weil der Killer sich mit Briefen an die Presse zu Wort meldet – inzwischen schon ein Klischee des Killerfilms. Aber wo wir sonst die persönliche Beziehung zwischen dem Helden und dem Bösewicht beleuchten, sehen wir nach diesem Mord nur noch die Perspektive dreier Figuren: eben Cartoonist Graysmith (Jake Gyllenhall), sein Journalistenkollege Paul Avery (Robert Downey Jr) und Polizist David Toschi (Mark Ruffalo). Dies sind die drei Jäger des Killers, und von diesen wird nur Graysmith am Ende noch durch Kamerabegleitung legitimierter Protagonist sein.
Fincher betont den Wert von Artikeln, Briefen und anderen Schriftstücken, indem er sie über das Bild legt oder mehrfach sogar eine Einstellung zeigt, wie sie ins Bild rutschen. Ansonsten beginnt er mit vielen Kamerafahrten als dynamische Einführung der Figuren, diese bleiben jedoch mehr und mehr aus und signalisieren später oft ein Fortkommen im ansonsten stecken gebliebenen Fall – kulminierend mit einer einzigen Rückfahrt, die sich einer falschen Fährte anschließt. Musikalisch bleiben wir oft bei Musikstücken aus der Zeit, aber besonders dramatische Stellen werden nicht nur von einem schreienden Baby, sondern auch von orchestriertem Soundtrack begleitet. Ansonsten gibt es viele Einstellungen von Gesprächen im Auto oder an verschiedensten Telefonen, um den stark dialogisch aufgebauten Film nicht vertrocknen zu lassen, sondern die Spannung zu halten.
Das alles gelingt. Zodiac zeigt, wie sich die Ermittler festbeißen und dann drohen, von dem sich entziehenden Killer fortgerissen zu werden – Avery ertrinkt im Alkohol, Toschi wird der Sache überdrüssig und Graysmith riskiert sein Familienleben, nur um die Wahrheit zu finden. Er müsse wissen, wer der Killer sei, erklärt er seiner Frau. Graysmith ist der wirkliche Held, der sich opfert, um die Wahrheit zu finden. Er muss den Killer finden, und weil er es muss, findet er ihn auch.
Graysmith sagt im Film: Nur, weil man es nicht beweisen könne, sei es doch trotzdem nicht weniger wahr. Fincher inszeniert die letzte Einstellung als definitive Aussage über den Fall, als klaren Abschluss, und stellt erst im Nachspann klar, dass der Mann nicht nur Fingerabdruckvergleich und Handschriftenprobe, sondern sogar einen DNA-Abgleich überstanden habe, bevor er vor einer weiteren Vernehmung einen Herzanfall erlitt.
Das macht Zodiac nicht weniger fesselnd, aber den Film hoffentlich auch nicht zum JFK von 2007. Und diesen Umgang mit der Wahrheit finde ich dann schon etwas kritisch, zumal dadurch Graysmith eben zum Helden wird und der Film durch ein offeneres Ende sogar noch tragischer hätte wirken können. Wer mehr wissen will, kann auf YouTube die Filmreihe Graysmith Unmasked sehen.


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