Das wird kurz. Telepolis meldet, ein BND-Mitarbeiter habe sein Überwachungssubjekt (es geht um Online-Durchsuchungen) intern als »kleine fette Schwuchtel« bezeichnet.
Telepolis fragt, ob diese Homophobie Nachrichtenwert hat, oder ob sich die meisten nicht mit der Online-Durchsuchung im Kanzleramt beschäftigen werden. Ich will noch einen Schritt weiter gehen. Die Homophobie ist ätzend, aber ein schönes Beispiel für die Idee, die auch im Titel dieses Beitrags zum Ausdruck kommt.
Jedes Gesetz, jede Regelung, die sich mit dem Einwirken auf die Privatsphäre des Bürgers beschäftigt, muss sich mit der Tatsache abfinden, dass diejenigen, welche die Gesetze umsetzen, auch nur Menschen sind und deren Schwächen haben. Warum sollen plötzlich ausgerechnet BND-Mitarbeiter oder BKA-Mitarbeiter besonders unempfänglich für Homophobie, Neugier, Indiskretion oder Eifersucht sein? Man hofft das immer, aber spätestens wenn US-Astronauten sich mit einer Windel ins Auto setzen, um auf dem Weg zum vermeintlichen Liebhaber des Ex-Freundes keinen Toilettenstopp einzulegen, sollten diese idealistischen Ideen verworfen werden. Selbst, wenn der Prozentsatz von »anfälligen« Mitarbeitern geringer sein sollte, ist er doch nicht gleich null.
Darum steht fest: Wo Missbrauch möglich ist, wird Missbrauch stattfinden. Wenn ein Bekannter in der Videothek arbeitet, in der man Kunde ist, wird der sich mal ansehen, welche Pornos man so ausleiht. Wenn ein Polizist Zugriff auf Online-Daten des verhassten Nachbarn hat, schaut der mal nach, ob sich da nichts finden lässt. Solche Gesetze müssen nicht nur gut gemeint sein, sondern gut gemacht. Selbst, wenn man den Machern das gute Meinen unterstellt.
Dazu kommt noch als kleine Denksportfrage: Wie viele Berufsgruppen gibt es, bei denen man hofft, dass die Zahl der moralisch gefestigten Beschäftigten über dem Durchschnitt liegt? Und: wo sollen die alle herkommen? Polizisten, Politiker, Manager, Lehrer, Bankberater, Versicherungsberater, Ärzte, Anwälte, Journalisten, Blogger, …

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