Ich habe Neil Marshall’s Horrorfilm The Descent sehr genossen. Nun hat er für Doomsday das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Die Idee: Snake Plissken Eine Hauptfigur mit Augenklappe wird in ein abgeriegeltes Gebiet geschickt, um das Heilmittel für ein Virus zu besorgen. Der Twist: Die Hauptfigur ist eine Frau, genauer Rhona Mitra. Der Hook: vor 30 Jahren brach das Virus bereits in der Quarantänezone aus, in die Rhona nun vordringt. 30 Jahre, in denen die eingesperrten Briten – oh ja, es geht um die britische Insel – ohne Kameraüberwachung tun konnten, was sie wollten.
Ohne weitere Umschweife also: was ich vpn Doomsday über Briten gelernt habe.

Doomsday (2008)
Innerhalb von dreißig Jahren entwickelt sich bei den Briten eine alternative Zivilisation heraus, die große Ähnlichkeit mit konservativen Alpträumen von Punkern hat. Zwar müssen sie Menschenfleisch essen, aber sie können ihre Haare noch in gefärbte Irokesen schneiden, sie halten die Autos, Motorräder und Busse in Stand und fügen ihnen sogar Pfähle, Sägeblattwerfer und ähnliche Spielerein hinzu, und sie benutzen aus Autobatterien gewonnenen Strom, um auf ihren Partys ironisch eingesetzte Popsongs zu hören.
Selbst der Anführer von Popmusik hörenden Punk-Kannibalen kann nicht auf den ganz in Leder verschnürten SM-Sklaven als Statussymbol verzichten.
Während die Instandhaltung von Fahrzeugen, Musikanlagen und Tätowierstudios einen wichtigen Platz im Leben von kannibalistischen Briten darstellt, haben sie keinerlei Verwendung für andere Techniken wie z.B. Feuerwaffen. Sie kämpfen mit (metallbespitzten) Baseballschlägern, Keulen, Armbrüsten und der Jahrhunderte alten Punkwaffe, der Brandbombe.
Wenn man mit einem Zug vor Briten flieht, sind diese auch nicht mit Geländemotorrädern in der Lage, den Zug zu verfolgen, noch ihn aufzuspüren. Sobald man aber wieder auf die Straße zurückkehrt…
Allerdings sind die Briten gespalten; wer nach dreißig Jahren noch immer nicht zum Punk-Kannibalen werden will, schließt sich der zweiten Fraktion der Überlebenden an. Diese leben in einer Burg und tragen mittelalterliche Kleidung. Ihre Kämpfer tragen Ritterrüstung und reiten auf Pferden. Ihre Waffen sind Schwert, Streitkolben und Speer. Wie es sich für Briten im 21. Jahrhundert gehört, wenn man sie ein paar Jahrzehnte in einer halb England umfassenden Zone einsperrt.
Englische Schlösser sind besonders anfällig für zufällige Explosionen; zufällig deshalb, weil sie zufällig in dem Augenblick explodieren, in dem gerade ein Brite auf einen anderen zielt, ohne dass jemand die Detonation auslöst.
Bentleys, die dreißig Jahre in einer Höhle stehen, sehen super aus, werden von den Briten nicht mehr erkannt (»Was macht das Ding?«) und können unbeschadet durch Busse fahren.
Für heldenhafte Britinnen ist es ein Happy End, Anführerin folternder, Popmusik hörender und SM-Sklaven haltender Punk-Kannibalen zu werden.
Eine Mischung aus Die Klapperschlange, Robin Hood und Mad Max 2 hört sich vielleicht toll an, ist aber überraschend langweilig, weil alle Szenen bereits einmal wesentlich besser inszeniert wurden. Allerdings ist es eine außerordentliche Erfahrung, in einem Film unvorbereitet mit Leuten in Ritterrüstung konfrontiert zu werden (spoiler).
Fazit: Hütet euch vor den Briten, wenn sie nicht mehr direkter Polizeigewalt unterliegen.

Comments 2
Wie man mir sagt, habe ich die geschnitte Version gesehen. Hinter dem Link sind explizite Gewaltszenen.
Posted 23 Dec 2008 at 10:20 ¶nett geschriebenes review aber falsches fazit gezogen: wie großartig is bitte die szene mit der verfolgungsjagd?
Posted 28 Jan 2009 at 21:26 ¶beste unterhaltung!
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