Ach, wie ist das immer schön jedes Jahr. Trotz aller Unkenrufe wird doch wieder viel gekauft und die Wirtschaft damit noch mal übers Jahr gebracht. Die letzten Tage zeigen überfüllte Städte und Geschäfte und Drängeleien, die gut auch mal mit einem blauen Fleck enden können, oder Schlimmerem.
Wie jetzt gerade in den USA.
Die NY Times berichtet von einem Unglück im Wal-Mart. Das Geschäft sollte um 5 Uhr morgens für den Feiertagsverkehr öffnen, aber schon Stunden vorher versammelten sich gierige Käufer vor den Glastüren. Sie wurden immer ungeduldiger, bis ihnen kurz vor fünf, mit der Ziellinie in Sicht, die Hutschnur riss: der Mob drängte auf Einlass, bis die Glastüren zersplitterten. Dann stürmten die Menschen durch das gesplitterte Glas und über mehrere Mitarbeiter hinweg. Einige wurden verletzt – einer starb.
Ja, richtig gelesen. Die Leute waren so geil darauf, sich für den Feiertag mit Nahrungsmitteln einzudecken und die tollen superwichtigen Drecksgeschenke zu kaufen, dass sie Glastüren durchliefen und einen Menschen tot trampelten. Dem Bericht zufolge gab es sogar Beschwerden, als die Polizei erst einmal den Laden räumen ließ. Weil man ja das Recht auf Konsum hat, ja die Pflicht zu Konsum hat, koste es, was es wolle.
Da der Tote und die verletzten Mitarbeiter alle versuchten, die Türen geschlossen zu halten, geschieht es ihnen eigentlich sogar recht, denn sie wollten die oberste Bürgerpflicht gerade in dieser schweren Wirtschaftslage verhindern oder erschweren. Das ist Verrat, das wird mit dem Tode geahnt und im Interesse einer abschreckenden Wirkung sofort vollstreckt.
Es muss wohl doch mal umgedacht werden. Kauf! Kauf! Kauf! ist nicht das einzige, was zählt. Geschenke machen nicht den Wert des Menschen oder seiner Beziehung zu dem Beschenkten aus. Ein verdammtes Menschenleben ist wichtiger als ein iPod Nano.
Weihnachten feiere ich nicht die Geburt eines fiktiven Typen, der auch noch Sohn des Himmelspapa sein soll. Ich feiere nicht Quanzaa, noch Hanukka (ohnehin ein Witz). Festivus und wie sie alle heißen. Nicht mal Newtonmas.
Bislang dachte ich, dass ich Weihnachten als kulturelles Fest begehen und verstehen kann. Aber steckt dahinter nicht nur die Kultur des absoluten Konsums? Eine Kultur, die Menschen zertrampelt?
In diesem Sinne: Frohes Fest!

Post a Comment